Der Originalartikel von Ryoki ist hier zu finden: http://www.weg-des-stifts.de/smf/anleitungen/der-konflikt/
Dieser kleine Artikel soll euch eine Hilfe sein, wie ihr Konflikte schafft, sie in eure Geschichte einbaut und dadurch das Interesse des Lesers weckt.
Ich versuche hier keine absoluten Wahrheiten zu verkaufen. Alles ist lediglich meine Meinung. Wenn jemand eine für ihn bessere Möglichkeit gefunden hat oder mit meinen Ausführungen unzufrieden ist, möge er mir eine PN schreiben oder hier in diesem Thread posten.
Der Konflikt
Konflikte nehmen in jedem Buch eine zentrale Rolle ein. Dabei ist es egal welches Genre, jede Geschichte ohne Konflikte ist einfach nur langweilig. Würde überhaupt jemand Harry Potter lesen, wenn Voldemord ständig vor Harry und Harry vor Voldemort wegrennen würde und sich Dumbeldore in irgendeiner Kammer verschließt? Ich bezweifle es stark.
Genauso ist das harte Leben einer gemobbten Schülerin nur noch ein lebloser Lebensbericht, würde sie nicht ständig mit ihren Mitschülern aneinander geraten.
Halten wir also fest: Deine Geschichte braucht mindestens einen Konflikt!
Es gibt zwei Arten von Konflikten. Einmal den normalen Konflikt und den inneren Konflikt.
Beide Arten sind eng miteinander verwoben und können (fast) gar nicht ohne den anderen. Oft folgt einem normalen Konflikt, wie zum Beispiel dem Streit mit dem Freund, weil sie ihn mit einer anderen gesehen hat, ein innerer Konflikt, wie “Hoffentlich habe ich nicht überreagiert. Bin ich etwa zu eifersüchtig?” Die Freundin sieht ihre Schuld dann ein, ist aber zu stolz sich zu entschuldigen.
—> Konflikt
Gleichzeitig können aber auch innere Konflikte die Ursache für die normalen Konflikte sein.
Ein Kerl hat ein großes Ego, hält sich für super wichtig, merkt dann aber nach und nach, dass er nirgends wirklich akzeptiert und gebraucht wird. Selbstzweifel steigen auf und er versucht sie durch sein Ego zu kompensieren.
-Zwischenstand ganz kurz: Er will nicht wahr haben, dass er nutzlos ist.-
Ein anderer Kerl, klein, dick und hässlich, sagt ihm dann genau das, was er sich nicht eingestehen will. Anstatt mit seiner üblichen Arroganz zu reagieren, wird er wütend, weil er die Wahrheit nicht sehen will und fängt einen Streit mit diesem kleinen Pimpf an, der es gewagt hat ihm, dem zweiten Adonis, die Meinung zu sagen.
–> Konflikt
Aber ich wette, dass ihr möglicherweise eine andere Vorstellung davon hattet, wie die Figuren in diesen beiden Fällen reagieren sollten. Das bringt mich auch gleich zum nächsten Punkt, der eine äußerst wichtige Rolle spielt.
Der beste und interessanteste Konflikt ist für die Katz, wenn er nicht zum Charakter passt. Als Autoren müsst ganz genau wissen, wie eure Figuren in bestimmten Situationen reagieren und besonders warum sie es so in dieser Art und Weise getan haben.
Jemand dem alles egal ist und nicht viel auf die Worte und Meinungen der anderen gibt, wird nicht aus heiterem Himmel ausrasten, weil ihn ein Mitschüler zum ersten Mal beschimpft hat. Würde es dennoch tun, wäre es das genaue Gegenteil, was die Geschichte und seine Vergangenheit über ihn aussagen und der Leser wird sich verar**** vorkommen. Besonders dann, wenn ihr keine weitere Erklärung zu diesem Ausraster liefert und ihn bei der nächsten Gelegenheit, in einer ähnlichen Situation, wieder ruhig und gelassen agieren lasst.
Merke: Jeder Konflikt muss sich anhand des Charakters erklären lassen!
Ohne exakte Kenntnisse der Charaktere könnt ihr keine authentischen Konflikte erschaffen!
Fassen wir also zusammen:
-Konflikte sind das Herzstück eurer Geschichte
-Es gibt innere und normale Konflikte
-Jeder Konflikt muss anhand der Charaktereigenschaften erklärbar sein
Soweit so gut, aber was ist jetzt, wenn der Charakter der Beteiligten dem eigentlichen Konflikt im Weg steht? Wenn die Figuren einfach ständig voreinander weglaufen, als das leidige Problem endlich aus der Welt zu schaffen? Einfache Anwort, die aber manchmal gar nicht so einfach umzusetzen ist: Ihr müsst sie dazu zwingen!
Um es mal an einem Beispiel zu verdeutlichen:
Lilian ist Mitarbeiterin in einem kleinen Betrieb und unendlich in ihren Chef verliebt. Sie ist aber extrem schüchtern und kriegt in seiner Gegenwart nie ein Wort raus. Sie steigt in den Fahrstuhl, kurz bevor sich die Türen schließen steigt ihr Chef dazu und die beiden fahren nach oben. Auf seine höflichen und freundlichen Fragen reagiert sie so gut wie gar nicht. Plötzlich bleibt der Fahrstuhl stecken.
Wartet, lasst mich raten… Ihr habt bestimmt mit rollenden Augen gedacht: “Was für ein Zufall!”, oder? Tja und genau deswegen habe ich diese Möglichkeit hier aufgeführt. Sie trägt zur Lösung des Konflikts bei, indem sie quasi gezwungen ist mit ihm zu reden, um aus dem Fahrstuhl zu entkommen. Oder vielleicht fängt er auch an Panik zu schieben und sie muss ihn beruhigen? Was danach kommt ist komplett euch überlassen.
Leser sind Zufällen gegenüber äußerst skeptisch. Eine Geschichte deren Konflikte nur durch Zufälle gelöst/behandelt werden, ist höchst wahrscheinlich weder spannend noch interessant.
Ihr müsst also den Zufall aus dem Geschehen raushalten und die Figuren aktiv an der Konfliktlösung beteiligen.
Am Abend ruft ihre Freundin an und redet Lilian gehörig Mut ein, ihrem Chef endlich zu gestehen. Entschlossen geht sie am nächsten Morgen in den Betrieb, geht zum Büro ihres Chefs, nimmt einmal ihren gesamten Mut zusammen und ruft ins Zimmer, dass sie ihn liebt. Direkt danach rennt sie weg.
Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ihr Chef findet das total toll und sie kommen zusammen, oder er fand es nicht so toll und sie kündigt wegen ihres Charakters den Job, weils einfach zu peinlich war. Alles ohne Zufall und mit viel besseren Möglichkeiten Spannung und die Indentifikation des Lesers mit der Hauptperson zu steigern.
Aber warum ist dies ist eine erzwungene Situation? Lilian hat es doch mehr oder weniger alleine getan?
Der entscheidende Punkt ist der Arbeitsplatz. Ihr ist die Situation unheimlich peinlich, muss aber um nicht zu verhungern zur Arbeit gehen, wo sie ihrem Chef irgendwann unweigerlich gegenüberstehen wird. Sie kann also nicht anders als den Konflikt zu klären, entweder indem sie sich mit ihrem Chef ausspricht oder ihren Job kündigt.
Solche Situationen in denen eine Konfliktlösung erzwungen wird nennt man auch “Schmelzkessel”.
Merke: Nutze Schmelzkessel, um eine Konfliktlösung zu erzwingen!