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Charaktererstellung: 2. Am ersten Tag erschuf Gott den Stereotypen!

2. Am ersten Tag erschuf Gott den Stereotypen!

Das Einfachste ist es am Anfang mit einem totalen Stereotypen zu beginnen. Eine leere Hülle, die dann nach und nach von uns mit Leben und Einzigartigkeit gefüllt wird.
Nehmen wir also den männlichen Protagonisten aus meinem anfänglichen Plotbeispiel vom Typ: Cooler Frauenschwarm

Natürlich ist es auch möglich ohne Stereotyp anzufangen, aber das bedeutet zusätzlichen Aufwand.

Es ist bei der Charaktererstellung sehr viel einfach mit etwas anzufangen, das bereits Ähnlichkeiten mit dem gewünschten Resultat hat.
Man braucht nur noch die fehlenden Details auszuarbeiten und ihm Leben einzuhauchen.

Die Freundschaftsprobe

Eine andere Art mit der Charaktererstellung anzufangen ist es, verschiedene Eigenschaften aus deinem Bekanntenkreis (Freunde, Famillie, etc.) zu nehmen und dann einfach für deinen Charakter zusammenzusetzen. Natürlich ist dies nicht endgültig, aber es macht die Figur symphatischer und für manche ist es vielleicht auch einfacher, mit solch einem Charakter zu arbeiten, wenn sie sich nicht mit dem abgedroschenen und leblosen Stereotypen anfreunden können.
Nicht vergessen. Die Eigenschaften sind noch immer nur vorübergehend! Ihr könnt sie später noch immer ändern, rausschmeißen oder verfeinern.

Hier allerdings noch eine Amerkung: Wenn ihr Eigenschaften von euren Freunden/Famillie nehmt und diese eure Geschichten auch lesen, dann müsst ihr davon ausgehen, dass ihr irgendwann damit “auffliegt”.
Bei so manch einer Figur ist dies vielleicht noch ganz schmeichelhaft, aber sobald ein Freund für das picklige, eklige und schon fast psychophatische Mobbingopfer der halben Schule Modell stehen muss, wird seine Reaktion nicht unbedingt positiv ausfallen…
Eine gute Methode, um das zu umgehen, ist die gründliche Vermischung stark verschiedener Eigenschaften. Das schafft einen interessanten Charakter und senkt zugleich die Chancen, dass du bei deinem “Eigenschaftenklau” erwischt wirst.

Was ist mit Charakteren, die bereits existieren?

Wir sind noch immer bei der Skizze, also kannst du ruhig einen bereits vorhandenen Charakter nehmen. Wenn du alles richtig machst, wird am Ende eh ein total anderer Charakter mit einem eigenen Leben herauskommen. Aber nicht vergessen, dass wir bis jetzt wirklich nur eine rohe Skizze erschaffen.

Eine interessante Möglichkeit hierbei ist es auch die Eigenschaften dieser Person einfach zu spiegeln. Er ist ordentlich? Dann mach aus ihm eine Verkörperung vom Begriff Schwein.

So viel zu der Gestaltung der ersten Charakterskizze.

Tutorial zur Charaktererstellung – Vorwort

1. An wen richtet sich dieses Tutorial?

Im Grunde an alle Schreiberlinge, aber vor allem an jene, die planen eine längere Geschichte, wie z.B. einen Roman, zu schreiben. Ich versuche hiermit eine Hilfestellung zu geben, wie ihr mit einer beachtlichen Menge Arbeit Situationen vermeiden könnt, in denen eure Charaktere nicht wissen wie sie reagieren sollen, was sie tun sollen und wie ihr doofe, logische Verstrickungen ausmerzt. Aber auch Autoren, die bereits ein funktionierendes System zur Charaktererstellung haben, können sich hier vielleicht den ein oder anderen zusätzlichen Tipp abgreifen.
Solltet ihr jedoch ein überzeugter Minimalist sein, kann ich euch nur davon abraten weiter zu lesen. Es kommt wirklich einiges an Text und Arbeit auf euch zu.

1.1 Was sind die Ziele dieses Kurses und warum sind atmende Charaketere so wichtig?

Wie bereits erklärt ist das Ziel dieses Tutorials die Erschaffung eines lebenden Charakters.
Um das zu erreichen, müsst ihr quasi alles über die Figur wissen, ihre Vergangenheit, ihre Wünsche, Träume, Ängste, Schwächen, Stärken, aber auch ihre Einstellung zu Politik, den Grad ihres Allgemeinwissens, ihre Einstellung zu anderen Menschen und so weiter und so fort.

Aber warum das Ganze? Reicht es nicht, wenn man ein Bild im Kopf hat und sich dann alles weitere beim Schreiben entwickelt? Ehrlich gesagt dachte ich das zuerst auch. Aber zumindest in meinem Fall war das ein Irrtum.
Solch ein großer Irrtum, dass ich eine Geschichte, die bereits etwa 60 Seiten lang war, zur Seite legen musste, weil ich mit meinen Charakteren nicht klar kam. Sie haben sich in seltsame Konflikte verstrickt, die nicht zu ihrem Wesen passten und wurden dann selbst für mich als Autor unglaubwürdig. Und wenn man das als ihr “Vater” schon sagt, was soll dann erst der Leser sagen, der nur das kennt, was der Autor ihnen vorsetzt?

Wisst ihr aber alles über eure Figur, dann können solche Fehler nicht passieren, da der Charakter euch quasi ein Stoppschild vor den Latz knallt und schreit: “Spinnst du? So etwas würd ich doch niemals tun!”

Und das merkt auch der Leser. Zwar werdet ihr wahrscheinlich nur 10 % von dem, was ihr für dieses Tutorial leisten werdet, letzendlich dem Leser verraten, aber ihr müsst es trotzdem wissen, damit die Figur in verschiedenen Situationen ihrem Wesen treu bleibt und das tut, was seinem Charakter entspricht und was der Leser vielleicht sogar erwartet.
Er wird merken, dass der Charakter sehr detailliert ausgearbeitet wurde und wird euch diesen “Tiefgang” auch durch begeistertes Weiterlesen danken. ;)

Also merken wir uns: Charaktere sind die Essenz jeder Geschichte! Egal wie ausgereift der Plot ist, wenn die Charaktere nicht dazu passen, kann die gesamte Geschichte nichts anderes als ein Flopp werden.

1.2 Die Vorraussetzungen

Die grobe Grundidee eurer Geschichte sollte bereits stehen. Ihr braucht nichts genaues, sondern nur etwas wie: “Y verliebt sich in X, aber Y ist ein fettes Pummelchen und X der unerreichbare Schulschwarm”
Ihr braucht hier nicht weiter zu machen. Macht euch keine Gedanken über den weiteren Plot oder gar über die Botschaft eures Romans. Alles was ihr braucht ist diese Idee.
Denn die Charaktere kommen noch vor allen weiteren Gedanken.

Man kanns gut mit einer ersten Verabredung vergleichen. Mann muss sein Gegenüber auch erst kennenlernen, bevor du dich richtig mit ihm unterhalten kannst.

Anmerkung am Rande

Es kann vielleicht passieren, dass du an der ein oder anderen Stelle dieses Tutorials stecken bleibst und keine Antwort auf die Frage findest. Aber keine Angst, das liegt nicht an dir, sondern wahrscheinlich an meiner Form der Darstellung, da ich versuchen werde alles so zu ordnen, dass es aufeinander aufbaut. Aber manche Punkte sind so eng miteinander verflochten, dass es oft nicht möglich ist eine Aussage zu dem einen Punkt zu treffen, wenn man sich vorher nicht über den anderen im Klaren ist und umgekehrt.
Also macht euch da am besten eine Notiz, trefft eine willkürliche Entscheidung und kommt später noch einmal zu diesem Punkt zurück.

Ach und ich empfehle es wirklich handschriftlich zu machen. Ist vielleicht nur ein Tick von mir, aber ich fühl mich da irgendwie näher an der Figur. ;-)

Aber genug der Vorworte, jetzt geht es ans Eingemachte!

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